VEREINS-CHRONIK

Vereinsgeschichte des RV Wanderlust Naurod 1923 e.V.

Das neunzigjährige Jubiläum eines Vereins ist Anlass genug, einmal zurückzublicken in die Zeit der Gründung und die Jahre des Aufbaues. Den Mitgliedern soll dabei das Vereinsgeschehen noch einmal in Erinnerung gebracht werden. Die Gäste aber haben Gelegenheit, einmal hineinzuschauen in die vielfältige Arbeit in einem Radsportverein.

Am Montag, den 23. Juli 1923, kamen im Gasthaus „Zum Hirsch“ in Naurod 14 junge Männer zusammen, beseelt von dem Gedanken, den Radsport zu betreiben und zu fördern, und gründeten den „Radfahrerverein Wanderlust 1923 Naurod“. Dieses Unternehmen darf man mit Recht als eine mutige Tat bezeichnen, denn zum einen bestand in Naurod bereits ein recht aktiver Radfahrverein, zum anderen waren die wirtschaftlichen Verhältnisse in unserem Lande nicht gerade rosig. Die Inflation strebte ihrem Höhepunkt zu.

Die Gründer des RVW

So hatte sich denn der junge Vorstand unter Leitung des I. Vorsitzenden Karl Nickel II. (Obergasse), auch gleich mit der immer schneller fortschreitenden Geldentwertung zu befassen. Nachdem der Eintrittsbeitrag zunächst für die Gründer auf 5.000,- Mark und die übrigen Mitglieder auf 7.000,- Mark festgesetzt war, mussten schon im September 1923 je Mitglied 1 Million Mark gezahlt werden. Der Monatsbeitrag wurde auf den jeweiligen Wert eines Hühnereies festgesetzt, der im August 1923 bei 10.000,- Mark lag, im September aber bereits auf 3 Millionen Mark geklettert war. Nach der Währungsumstellung verblieben dem Verein von seinem Guthaben noch ganze 3 Pfennig.

Doch nichts konnte die jungen Radsportler von der Ausübung ihrer sportlichen Tätigkeit abhalten. Schon am 5. August 1923 wurde eine Fuchsschwanzjagd abgehalten und am 2. September 1923 wurde das erste Straßenrennen durchgeführt. Zwei Mannschaften übten im Saalbau „Zum Taunus“ das Sechser- Gruppenfahren. Und das auf ganz normalen Tourenfahrrädern. Erst ein Jahr später konnten die ersten sechs Saalmaschinen angeschafft werden, die über 30 Jahre zum Reigenfahren genutzt wurden. Das notwendige Geld musste zum Teil durch Extra-Beiträge aufgebracht werden oder wurde von den Mitgliedern zinslos zur Verfügung gestellt und konnte erst im Laufe der Jahre zurückgezahlt werden.

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Am 10. August 1924 feierte der Verein sein Gründungsfest, verbunden mit Wettbewerben im Straßenrennen, Kunst-, Gruppen- und Korsofahren.

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Von nun an setzte eine stetige Aufwärtsentwicklung ein. In jedem Jahr wurden neben Sportveranstaltungen mehrere Vereinswanderfahrten durchgeführt und in der Vorweihnachtszeit ein Theaterabend veranstaltet. Im Juli 1928 konnte das 5jährige Vereinsjubiläum, verbunden mit Bannerweihe, in großem Rahmen gefeiert werden. Zahlreiche befreundete Vereine zeigten ihr Können im Einer-, Zweier-, Sechser- und Gruppenfahren. Ein Festzug bewegte sich durch die Ortsstraßen und in zwei Sälen (Zum Taunus und Zum Hirsch) konnte das Tanzbein geschwungen werden.

Inzwischen machten auch die Sportler der „Wanderlust“ die ersten Versuche im Kunstfahren und Radballspielen. Das Rennfahren hatte man aufgegeben und widmete sich voll und ganz dem Hallenradsport und dem Wanderfahren.

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So kam das Jahr 1933, das auch unserem Verein einige Veränderungen brachte. Unser damaliger Bruderverein „Fahr Wohl“ (Soli) musste unter dem Druck der politischen Verhältnisse seine Tätigkeit einstellen. Seine aktiven Mitglieder schlossen sich zum größten Teil der „Wanderlust“ an, um weiter ihren Radsport betreiben zu können. Mit ihnen wurde das Einradfahren eingeführt und auch das Radballspielen wurden stärker betrieben.

Das 10jährige Gründungsfest am 22. und 23. Juli 1933 vereinigte viele bekannte Radsportvereine der näheren und weiteren Umgebung in Naurod. Erstmals fand ein Radballturnier unter Mitwirkung von zwölf Mannschaften statt, bei dem die Mannschaft des seinerzeitigen Deutschen Meisters, RV Wanderlust Frankfurt, als Sieger hervorging. Auch im Kunst- und Gruppenfahren zeigten viele bekannte Mannschaften ihr Können.

Während man in den folgenden Jahren das Einrad- und Steuerrohrfahren mit wechselndem Erfolg betrieb, zählten die Nauroder Mannschaften im Sechser- Gruppenfahren schon bald zu den erfolgreichsten der Umgebung und kamen des Öfteren zu Meisterehren. Bei den am 4. Juli 1937 ausgetragenen Gaumeisterschaften erkämpfte sich die I. Jugendmannschaft mit einer zuvor noch nie erreichten Punktzahl die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Doch aus finanziellen Gründen konnte man die weite Reise nach Leipzig nicht antreten und musste auf die Teilnahme verzichten. Auch die Radballspieler, die naturgemäß eine längere Anlaufzeit benötigen, verfügten bald über ein beachtliches Können. Um ihre Spielstärke noch weiter zu verbessern, wurden Clubkämpfe gegen befreundete Vereine ausgetragen. Dass sich dieses zusätzliche Training ausgezahlt hatte, bewies der Aufstieg der Mannschaften Erich Keil / Edwin Koridaß und Wilhelm Christ / Willi Eckhard in die zweithöchste Spielklasse. So verfügte der RV Wanderlust am Ende der dreißiger Jahre über eine Reihe von recht erfolgreichen Mannschaften in fast allen Sparten des Hallenradsports.

Damit auch die Geselligkeit nicht zu kurz kam, führte man neben den Vereins-Wanderfahrten in jedem Jahr eine Autobusfahrt durch. Die rege Beteiligung an diesen Fahrten zeigte, dass sie sehr beliebt waren, und nach Aussage der Vereins-Chronik soll es dabei auch immer recht lustig zugegangen sein.

1940-Gewonnene-Preise

Nach dem Ausbruch des II. Weltkrieges konnte der Sportbetrieb zunächst noch mühsam aufrechterhalten werden, doch ab 1941 ruhte die gesamte Vereinstätigkeit. Dieser Krieg brachte dem Verein in jeder Hinsicht die größten Verluste. Zwanzig junge, zumeist aktive Mitglieder kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Das meiste Maschinenmaterial war in dem Chaos der letzten Kriegstage entwendet oder zerstört worden. So kam es, dass der Verein erst 1947 wieder neu gegründet werden konnte. In mühevoller Kleinarbeit wurden in Selbsthilfe aus den verbliebenen Resten sechs Reigen- und vier Radballmaschinen zusammengebastelt und der Wiederaufbau konnte beginnen.

Doch neue Schwierigkeiten stellten sich in den Weg. Der Saal im Gasthaus „Zum Taunus“ stand für Trainingszwecke nicht mehr zur Verfügung und so war an Radballspielen vorerst nicht zu denken und der Versuch, das Sechser- Gruppenfahren im Saale des Gasthauses „Zur Rose“ zu üben, schlug fehl, da sich die Fahrfläche als zu klein erwies. Doch die Jugend stand bereit und wollte sich radsportlich betätigen. Es musste also ein Ausweg gefunden werden. Da stellte der Turnverein in Auringen in dankenswerter Weise seine Turnhalle zur Verfügung, doch auch hier war nur das Training im Sechser-Gruppenfahren möglich. Der Anfang war jedenfalls gemacht.

Bereits im Lauf des Jahres 1947 konnte die I. Mannschaft an mehreren Wettbewerben mit Erfolg teilnehmen und bei den Kreismeisterschaften am 20. Juni 1948 in Hochheim den 1. Platz erringen.

In den ersten Nachkriegsjahren haben sich eine Reihe von Mitgliedern große Verdienste um den Fortbestand des Vereins erworben. Zwei von ihnen sollen hier stellvertretend genannt werden: Otto Becht II. als 1. Vorsitzender und Karl Schneider jun. als Fahrwart haben sich durch besonderes Engagement ausgezeichnet.

Das 25jährige Jubiläum wurde drei Wochen nach der Währungsreform am 10. und 11. Juli 1948 gefeiert. Einem Festkommers am Samstag, an dem sich alle Nauroder Ortsvereine beteiligten, schloss sich am Sonntag ein Wettbewerb im Kunst- und Gruppenfahren an. Ein Jubiläumsball beschloss das Fest, das den Umständen entsprechend nur in bescheidenem Rahmen gefeiert werden konnte.

Anfang 1950 konnte dann, Dank des Einsatzes des 1. Fahrwartes Karl Schneider jun., im Saalbau „Zum Trompeter“ in Niedernhausen das Radballtraining aufgenommen werden. Dort wurde auch im gleichen Jahr erstmals das traditionelle Radballturnier um den „Preis vom Taunus“ ausgetragen.

Da das 25jährige Vereinsjubiläum auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse nicht in gebührendem Maße gefeiert werden konnte, beschloss der Vorstand, dieses beim „30jährigen“ nachzuholen. Das Fest wurde in einem Festzelt an der Auringer Straße am 13.-15. Juni 1953 gefeiert. Beim Festkommers konnten besonders die Deutschen Meister im Einer- und Zweier-Kunstfahren aus Zeilsheim ihr großes Können unter Beweis stellen und ernteten reichen Beifall. Ein Wettbewerb im Schmuck- und Blumenkorso veranlasste viele befreundete Radsportvereine, an dem sonntäglichen Festzug teilzunehmen. Der Montag war den Vereinsmeisterschaften und einem großen Jubiläumsball mit einem Abschlußfeuerwerk vorbehalten. Zu dieser Zeit verfügte der RV Wanderlust wieder über vier Reigen- und acht Radballmannschaften.

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Mittlerweile war auch der Saalbau „Zum Taunus“ wieder für Radballspielen freigegeben und der Verein hatte sich dem etwas leistungsstärkeren Bezirk Wiesbaden angeschlossen. Neue Reigen- und Radballmaschinen konnten angeschafft werden. Dies alles bewirkte, dass die Mannschaften in den folgenden Jahren mit größeren Leistungen aufwarten konnten. In der Liste der Bezirksmeister waren sie in jedem Jahr mehrmals vertreten.

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Es ist nicht der Sinn dieser Vereinsgeschichte, alle die in den folgenden Jahren erzielten Erfolge aufzuzeigen, doch verdienen es einige von Ihnen, insbesondere die Medaillengewinner bei Deutschen Meisterschaften, noch einmal in Erinnerung gerufen zu werden.

So war es einmal die Schülermannschaft im Gruppenfahren, die 1957 Hessischer Vizemeister wurde, zum anderen die Gebrüder Ludwig und Siegfried Sand, die 1960 den Landestitel in der Radball-Bezirksklasse errangen und damit den ersten Hessenmeistertitel nach Naurod holten.

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Oder die Herrenmannschaft im Gruppenfahren, die ebenfalls 1960 Hessischer Landesmeister wurde und diesen Triumph noch sechsmal wiederholen konnte. Auch bei Korsowettbewerben, besonders im Schmuckkorso, konnten die Nauroder Radfahrer immer wieder gut gefallen und brachten manchen Pokal mit nach Hause. Der Main-Taunus-Kreis entsandte 1967 diese Korsogruppe zum Hessentag nach Bad Hersfeld. Mit bunt geschmückten Rädern nahmen sie an dem großen Festzug teil und wurden von den Zuschauern mit reichem Beifall bedacht.

Von 1963 bis 1969 beteiligte sich eine Mannschaft an den Rundenspielen zur Hessenmeisterschaft im Rasenradball. Sie landete jedoch immer im letzten Drittel der Tabelle.

6er Radball in den 60iger Jahren mit Gerhard Damm und Günter Becht hier gegen Stephan Wiesbaden

1967 wurde der Verein in Vereinsregister eingetragen und trägt seitdem in seinem Namen den Zusatz e.V.

Seit 1969 betrieb der Verein – außer Korsofahren – bis in die 80iger Jahre nur noch den Hallenradballsport. Die Mannschaften beteiligten sich natürlich nicht nur an Meisterschaften, sie erkämpften sich auch bei Pokalturnieren manchen Sieg. Ihre Reisen führten sie dabei nicht nur durch das ganze Hessenland, sondern auch in die Nachbarländer Niedersachsen, Rheinland- Pfalz, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Der erste absolute Höhepunkt auf bundesdeutscher Ebene war 1971 die Erringung der Deutschen Meisterschaft durch die beiden A-Jugendspieler Reinhard Schmidt und Peter Becker. Beide hatten sich über insgesamt fünf Qualifikationsmeisterschaften die Teilnahme erkämpft und stritten nun in Augsburg mit den sieben besten Jugendmannschaften um den Titel. Zwar hatte man mit einer guten Platzierung gerechnet, doch nur die größten Optimisten glaubten an den Sieg. Umso größer war die Freude, als die Nachricht über den Titelgewinn eintraf. Die große Anteilnahme der Nauroder Bevölkerung zeigte sich, als sich eine ca. 300köpfige Menschenmenge am Ortseingang von Naurod eingefunden hatte um die siegreiche Mannschaft zu begrüßen. Leider konnten diese beiden sympathischen Spieler durch besondere Umstände gehandicapt diesen Triumph 1972 in Offenbach nicht wiederholen, sodass es nur zum dritten Platz reichte.

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Das Spiel ist aus. Peter Becker jubelt ebenso wie Trainer Edmund Becht.

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Reinhard Schmidt wehrt einen Eckball ab und schießt das entscheidende Tor zum Sieg.

Das 50jährige Vereinsjubiläum wurde vom 06.-08. Juni 1973 in einem Festzelt an der Auringer Straße gefeiert. Nach einem Festkommers am Freitag unter Teilnahme vieler Nauroder Vereine und zahlreichen Festansprachen fand am Samstag ein großer bunter Abend im Festzelt statt. Der Sonntag fand mit Radballwettkämpfen, einem Festzug mit Schmuck- und Blumenkorso- Wettbewerb sowie einem sportlichen Rahmenprogramm eine sehr gute Resonanz. Im Jahr 1973 verfügte die Wanderlust über zwölf Radballmannschaften vorwiegend im Aktivenbereich.

Mitte der 70iger Jahre wurde versucht, verstärkt Schüler und Jugendliche für den Radballsport zu gewinnen. Im Jahr 1977 verbesserte sich die Trainings- und Wettkampfsituation durch den Umzug von der seit den 60iger Jahren genutzten Turnhalle der Rudolf-Dietz-Schule in die neu errichtete Kellerskopfhalle. Hier konnte nunmehr an 2 Trainingstagen auf 2 Spielfeldern trainiert werden. Der Wechsel in die Kellerskopfhalle wurde in der Folgezeit der Grundstock und die Basis für großartige Vereinserfolge sowohl im 2er als auch im 5er Radballspiel, welches nunmehr auch betrieben werden konnte. Im selben Jahr wurde eine Radpolo-Abteilung neu ins Leben gerufen, die bereits mit 3 Mannschaften auf hessischer Ebene ins sportliche Geschehen eingreifen konnte.

Eine lang anhaltende Blütezeit erlebte der RV Wanderlust in den 80- und 90iger Jahren. Teilnahmen und Platzierungen auf Bundesebene kamen nun Schlag auf Schlag.

Nach zweimaligem Erreichen der Endrunde konnte die 1. Fünfer-Mannschaft 1982 die Finalteilnahme „versilbern“. Nur dem Team aus Lieme mit den beiden Weltmeistern Gebr. Steinmeier musste man nach einem Entscheidungsspiel den Vortritt lassen. 1983 holte die Jugendmannschaft Stefan Becker / Tim Schneider die zweite Deutsche Meisterschaft im Radball an den Kellerskopf und die Polospielerinnen Heike Schulte / Claudia Proksch errangen mit dem Bronzeplatz das erste Edelmetall für die Radpolo- Abteilung bei einer DM.

Gruppenbild zum 60 jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1983 mit den 3 noch lebenden Gründern Rudolf Reitz, Ernst Becht und Wilhelm Beltz

Gruppenbild zum 60 jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1983 mit den 3 noch lebenden Gründern Rudolf Reitz, Ernst Becht und Wilhelm Beltz

1984 standen am Ende der Saison 2 Jugend-Vize-Meisterschaften durch die Polospielerinnen Jutta Schulte/ Ilka Wirth sowie Stefan Becker/ Tim Schneider, ein dritter Platz durch die Schüler Ralph Müller/ Frank- Ulrich Wilhelm sowie der erste Deutsche Meistertitel für unsere Fünfer- Mannschaft zu Buche. Zum ersten Mal war der RV Wanderlust Ausrichter einer Deutschen Meisterschaft und diese wurde nach 2 Tagen mit sehr gutem Zuschauerzuspruch mit dem Meistertitel gekrönt.

Große Erfolge auch im Jahr 1985. Es konnten zwei Deutsche Meisterschaften durch die Schüler-A-Mannschaft Torsten Schmidt / Jörg Becht sowie durch die Junioren Stefan Becker / Tim Schneider gefeiert werden. Hinzu kamen zwei Bronze-Plätze durch die Jugendlichen Henrik Wagner / Udo Giegerich und die Fünfer-Mannschaft. 1986 wurden Bianca Nickel / Christine Seher Deutsche-Vize-Meister bei den Radpolo-Schülerinnen.

Im Jahr darauf belegte die Fünfer-Mannschaft den 2. Platz bei der DM. Torsten Schmidt / Jörg Becht wurden nach dem Schüler-Titel vor 2 Jahren auch in der Jugend-Klasse Deutscher Meister.

1988 konnten 3 Deutsche Vize-Meisterschaften durch die Radpolo-Schülerinnen Tanja Müller/ Bianca Hieß, die Radpolo-Jugendlichen Alexandra Becht / Manuela Dinges sowie die B-Jugend Radballer Torsten Schmidt / Jörg Becht erzielt werden.

Das Jahr 1989 wurde das erfolgreichste Jahr in der Vereinsgeschichte mit 3 Deutschen Meisterschaften. Die Radpolo-Jugendlichen Petra Koridaß / Christina Beltz holten den 1. DM-Titel einer Radpolo-Mannschaft des RVW ebenso wie die Radball-Junioren Torsten Schmidt / Jörg Becht und die 1. Fünfer Mannschaft in der Besetzung Hans-Jürgen Beltz, Oskar Hieß, Peter Becker, Andreas Sand, Dietmar Schneider, Torsten Schmidt und Jörg Becht. Hinzu kamen der Vize-Titel durch die 2. Fünfertruppe mit Tom Schneider, Stefan Becker, Tim Schneider, Frank-Ulrich Wilhelm, Udo Giegerich, Stefan Schuhmacher und Jürgen Becht sowie der 3. Platz durch die Radpolo-Schülerinnen Tanja Müller / Bianca Hieß. Das erfolgreichste Jahr des Vereins wurde mit dem seinerzeit von der Dresdner Bank verliehenen „Grünen Band für hervorragende Talentförderung“ und einer Spende über 10.000 DM honoriert.

In diesen Jahren wurden trotz des mittlerweile sehr umfassenden Sportbetriebs auch verschiedene gesellschaftliche Veranstaltungen wie Alsbachfest, Halbtagesfahrten, Familien- und Sportabende sowie Wanderungen durchgeführt.

1990 und 1991 wiederholte die 1. Fünfer Mannschaft in unveränderter Besetzung den Vorjahreserfolg und die 2. Fünfer Mannschaft belegte jeweils den 3. Platz.

Die Radpolo-Abteilung drehte in den 90iger Jahren ebenfalls richtig auf. Im 2er-Radpolo der Schülerinnen gelangen Jessica Brunk / Stephanie Hieß nach einem 6. und zwei 4. Plätzen der vielumjubelte Deutsche Meistertitel im Jahr 1992. Im gleichen Jahr kam für die Mannschaft Natascha Schmidt / Bianca Hieß im 2er-Radpolo der Jugend die Deutsche Vize-Meisterschaft hinzu. Auch in der Radpolo-Juniorinnen-Klasse gelangen Jessica Brunk / Stephanie Hieß nach einem 3. Platz der große Triumph 1994. Die beiden krönten sich mit dem Meistertitel und beendeten die Juniorenzeit im Jahr 1995 mit einem 2. Platz. Ebenfalls in 1995 holten Martina Beltz / Katrin Wörsdörfer den Deutschen Meistertitel im 2er-Radpolo der Schülerinnen nach Naurod.

Seit 1994 ist der RV Wanderlust „Deutscher Rekord-Meister im Radball – Radpolo“ und konnte mit 14 Gold-, 11 Silber- und 9 Bronze-Platzierungen so erfolgreiche Traditions-Vereine wie den RSV Krofdorf, den RSV Kostheim und Merkur Hildesheim überholen.

Auch im 2er Radball der Männer war man zwischenzeitlich im vorderen Feld in der 1. Bundesliga angekommen. Die Mannschaft Torsten Schmidt / Udo Giegerich arbeitete sich von Platz 6. in den Jahren 1994-1996 über Platz 5 im Jahr 1997 zu 3 Deutschen Vize-Meisterschaften ab 1998. Am Deutschen Meister im 2er Radball der Männer wurde mehrfach geschnuppert, dieser Titel konnte jedoch letztlich nicht eingefahren werden. Der Höhepunkt dieser Mannschaft war die Nominierung als deutsche Ersatzmannschaft für die Weltmeisterschaft 1999 in Portugal.

1997 und 1998 erfolgte der Doppelschlag mit 2 Deutschen Meisterschaften in zwei aufeinanderfolgenden Jahren im Radpolo der Juniorinnen durch die Mannschaft Martina Beltz / Daniela Becht.

Im 2er Radpolo der Frauen spielte der Verein nun ebenfalls in der Bundesliga. Nach einiger Anlaufzeit konnte auch hier im Jahr 1998 mit der Mannschaft Uta Proksch / Stephanie Hieß mit dem 3. Platz erstmals das „Treppchen“ bestiegen werden.

Ebenfalls 1998 nahm zum ersten und bis heute einzigen Mal eine Nauroder U13 (Schüler B) Mannschaft im damals noch ausgetragenen Deutschlandpokal teil. Sidney Beltz / Alexander Voigt freuten sich über einen sehr guten 3. Platz.

Das Jahr 1999 brachte im Radpolo der Schülerinnen mit den Mannschaften Anna Schmidt / Evelin Metyschova und Nadine Grundel / Tanja Beltz erstmals einen Doppelsieg für die Polo-Abteilung.

Nachdem die „alten Recken“ 1991 im Fünfer-Radball ihre Räder an den Nagel gehängt hatten, übernahm die junge, bisherige II. Mannschaft das Zepter und erreichte mit den Spielern Michael Heinemann, Stefan Becker, Tim Schneider, Udo Giegerich, Torsten Schmidt, Stefan Schuhmacher, Jürgen Becht, Henrik Wagner und Dietmar Schneider in den 90igern insgesamt 5 Deutsche Meisterschaften sowie 2 Vize-Meisterschaften.

An dieser Stelle sollen auch die großen Verdienste des langjährigen Trainers Edmund Becht nicht unerwähnt bleiben.

Mit Beginn des neuen Jahrtausends musste der Verein in beiden Sportarten im Vergleich zu den Vorjahren „kleinere Brötchen“ backen. Es wurden zwar weiterhin fleißig Treppchen-Platzierungen gesammelt, jedoch gab es in diesem Jahrzehnt erstmals keine Deutschen Meister-Titel.

Der in 2000 durch die Mannschaft Moritz Ruffing / Alexander Voigt im 2er-Radball der U 15 (Schüler A) erreichte 3. Platz sollte für die nächsten 10 Jahre die einzige Treppchen-Platzierung bleiben. Der bisher sehr große Spielbetrieb reduzierte sich sowohl im Nachwuchs- als auch im Aktivenbereich und hier im 2er Radball ebenso wie im 5er Radball.

Die 5er Mannschaft konnte sich noch bis 2004 in wechselnder Besetzung mit den Spielern Michael Heinemann / Stefan Becker / Stefan Schuhmacher / Torsten Schmidt / Udo Giegerich / Jürgen Becht / Henrik Wagner / Markus Schütte / Dietmar Schneider / Matthias Kohl / Sascha Rehn / Andreas Sand / Niclas Schmidt und Kai Becker 2 Vize-Meisterschaften sowie 3 Bronze-Plätze sichern, ehe man 2005 erstmals seit 16 Jahren kein Edelmetall mehr bekam und mit einer jungen und unerfahrenen Mannschaft aus der Bundesliga absteigen musste.

2006 gab es jedoch wieder einen 3. Platz im 5er, da einige ältere Spieler wieder die Radball-Schuhe schnürten und in der hessischen Oberliga spielten, von wo aus der direkte Aufstieg in die Bundesliga gelang. Die Mannschaft Frank-Ulrich Wilhelm / Stefan Becker / Tim Schneider / Udo Giegerich / Jürgen Becht / Dietmar Schneider / Andreas Sand und Niclas Schmidt ging mit einem Durchschnittsalter von 41 an den Start und zeigte vielen Gegnern, dass langjährige Erfahrung und über Jahre eingeübte Spielzüge auch ein hohes Radball-Alter kompensieren können.

Im Radpolo gab es in den Jahren 2002 und 2003 zwei Deutsche Vize-Meisterschaften im 2er-Radpolo der Juniorinnen durch die Mannschaft Anna Schmidt / Tanja Beltz. Der 1 Jahr später erzielte Deutsche Vize-Meister im 2er-Radpolo der Frauen durch die Mannschaft Stephanie Henning / Daniela Becht stellte zwar den Höhepunkt in der 1. Bundesliga dar, war aber auch das letzte Edelmetall im Lager der Damen. Wohl gesättigt durch die zahlreichen Erfolge reduzierte sich der Trainings- und Spielbetrieb in der Radpolo-Abteilung immer weiter und kam fast zum Erliegen.

In den letzten Jahren hat sich der Verein wieder stärker der Nachwuchsarbeit gewidmet und versucht, Schüler und Jugendliche an den schönen Radsport heranzuführen. Nicht nur in der Breite, der RV Wanderlust ist im Radball seit einiger Zeit im Nachwuchsbereich wieder in allen Altersklassen vertreten, sondern ebenso in der Spitze wurde die Förderung intensiviert.

Nach 12 Jahren ohne Titel gelang 2011 der neu formierten Mannschaft Marco Wagner / Till Wehner auf Anhieb ein Paukenschlag. Mit 41 Siegen und nur 2 Unentschieden und einem sagenhaften Torverhältnis von 367:32 wurden die beiden Deutsche Meister im 2er-Radball der U 15 (Schüler A). Dieser sportliche Höhepunkt wurde durch den plötzlichen Tod von Siegmund Schulte, der über Jahrzehnte „das Gesicht“ der Wanderlust war, getrübt. An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass Siegmund Schulte einer der „Väter“ der sportlichen Erfolge war und den Verein mit zu dem aufgebaut hat, was er heute ist.

Ein Jahr später wurden Marco Wagner / Till Wehner als jüngste teilnehmende Mannschaft Deutsche Vize-Meister in der Jugendklasse U17. Im Jahr des 90. Jubiläums konnten beide Sportler wie 2 Jahre zuvor in der Schülerklasse einen weiteren Deutschen Meistertitel in der Jugendklasse U17 an den Kellerskopf holen. Alle 40 Meisterschaftsspiele wurden gewonnen und hierbei ein Torverhältnis von 309:23 erzielt.

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Radsport ist bekanntlich ein teurer Sport. Eine Radballmaschine kostet heute je nach Hersteller etwa 2.200 Euro und hat unverändert doch nur eine beschränkte Lebensdauer. Neuanschaffungen und Ersatzteile verschlingen immer wieder große Summen. Um diese enormen Mittel aufbringen zu können, ist der Verein gezwungen, Veranstaltungen durchzuführen, die nichts mit Sport zu tun haben. In den frühen Jahren waren es Theaterabende, Waldfeste, Preisschießen und Tanzveranstaltungen. Seit nunmehr 60 Jahren ist es eine gut funktionierende Straußwirtschaft bzw. seit 45 Jahren die Radlerschänke beim alljährlichen Nauroder Äppelblütefest. Trotzdem sind noch Spenden und Zuschüsse notwendig, um den Sportbetrieb aufrechterhalten zu können.

Im 90. Jubiläumsjahr zählt der RV Wanderlust rd. 200 Mitglieder, darunter etwa 40 aktive Sportler. Der Verein verfügt über insgesamt 17 Mannschaften. Davon spielen 4 Zweiermannschaften im Elitebereich im Radball und Radpolo, 2 Teams im 5er Radball und 11 Mannschaften im Schüler- und Jugendbereich Radball / Radpolo.

Seit 1994 ist der RV Wanderlust „Deutscher Rekord-Meister im Radball – Radpolo“ und konnte neben zahlreichen Bezirks- und Hessenmeisterschaften bis heute 24 Gold-, 24 Silber- und 16 Bronze-Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften erringen.

Abschließend darf man sagen, dass der RV Wanderlust Naurod 1923 e.V. mit Erfolg und Stolz auf seine neunzigjährige Geschichte zurückblicken kann. Schöne Stunden und herausragende sportliche Erfolge konnten gefeiert werden. Aber auch Niederlagen und schwere Zeiten, in denen manchmal der Fortbestand des Vereins in Frage stand, mussten überwunden werden. Sie konnten aber nur dank einer guten Kameradschaft überwunden werden, auf die im RV Wanderlust schon immer großen Wert gelegt wurde. Um sie zu erhalten und zu fördern, treffen sich die Mitglieder und Freunde mit ihrem Familien so oft wie möglich zum geselligen Zusammensein. Es ist für den Verein überlebenswichtig, die Leidenschaft für den Radsport, die Freude an einer sinnvollen Freizeitgestaltung und die Tradition des Vereinslebens an die nachwachsende Jugend weiterzugeben.

Unsere Bewunderung aber gilt jenen vierzehn Männern, die vor neunzig Jahren den Mut hatten, in wirklich schweren Zeiten den Verein aus der Taufe zu heben.

Drum sagen wir der Jugend: Tragts im Herzen fort,
Einigkeit und Frieden im schönen Radfahrsport.
Denn Euch galt unser Wirken, unser Schaffen, Streben.
Damit die „Wanderlust“ wird ewig weiterleben !

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Stand 2012

Alwin Becht (†), Tim Schneider